Warum der Dispo teuer sein kann
Der Dispokredit hat meist einen variablen Zinssatz, der bei vielen Banken deutlich über dem eines Ratenkredits liegt. Er ist als kurzfristige Überbrückung gedacht, nicht als Dauerlösung. Wer ihn über Monate nutzt, zahlt unnötig hohe Zinsen und hat keinen Tilgungsplan.
Wie die Umschuldung funktioniert
- Sie ermitteln den aktuellen Minusbetrag und die monatlichen Zinsen.
- Sie nehmen einen Ratenkredit in dieser Höhe auf.
- Der Betrag gleicht Ihr Konto aus und wird in festen Raten getilgt.
- Der Dispo steht danach wieder als Reserve zur Verfügung – nutzen Sie ihn nicht erneut.
Beispielrechnung
Angenommen, Sie lösen einen Dispo von 5.000 € durch einen Ratenkredit mit 6 % Sollzins ab:
- 24 Monate (2 Jahre): ca. 221,60 € pro Monat – Zinsen insgesamt ca. 318 €, Gesamtrückzahlung ca. 5.318 €.
- 36 Monate (3 Jahre): ca. 152,11 € pro Monat – Zinsen insgesamt ca. 476 €, Gesamtrückzahlung ca. 5.476 €.
- 48 Monate (4 Jahre): ca. 117,43 € pro Monat – Zinsen insgesamt ca. 636 €, Gesamtrückzahlung ca. 5.636 €.
Worauf Sie achten sollten
- Der Kredit darf nicht zusätzlich neue Schulden ermöglichen: Ziehen Sie den Dispo nach der Ablösung nicht wieder aus.
- Vergleichen Sie den effektiven Jahreszins der Angebote.
- Prüfen Sie, ob Sondertilgungen möglich sind, damit Sie bei Geldeingängen schneller tilgen können.
- Fragen Sie nach zusätzlichen Kosten, etwa für Restschuldversicherungen.
Wann die Umschuldung nichts bringt
Wenn Ihre Ausgaben dauerhaft höher sind als Ihre Einnahmen, löst ein Kredit das Grundproblem nicht. Erstellen Sie dann zuerst ein Haushaltsbudget oder nutzen Sie eine Schuldnerberatung.
Was der Dispo wirklich kostet
Der Dispozins wird nicht als effektiver Jahreszins eines festen Vertrags verglichen, sondern meist als variabler Sollzins angegeben und kann sich ändern. Beispiel zur Veranschaulichung: Bei einem angenommenen Dispozins von 11 % kostet ein dauerhaft genutzter Minusbetrag von 5.000 € rund 46 € Zinsen pro Monat, also etwa 550 € im Jahr – ohne dass der Betrag dabei sinkt.
Zahlen Sie dagegen den gleichen Betrag über einen Ratenkredit mit 6 % Sollzins und 36 Monaten Laufzeit zurück, liegen die Zinsen insgesamt bei ca. 476 € – und am Ende ist die Schuld getilgt.
Tilgung mit festem Ziel statt dauerhaftem Minus
Der größte Vorteil der Umschuldung ist weniger der Zinssatz als die Planbarkeit: Ein Ratenkredit hat ein festes Ende. Zum Vergleich: Wer den Dispo von 5.000 € mit 230 € pro Monat zurückführt, braucht bei 11 % rund 25 Monate und zahlt dabei etwa 600 € Zinsen, weil der Zinssatz variabel bleibt und jede erneute Nutzung die Rechnung verlängert. Ein fester Ratenplan verhindert dieses „Nachziehen“.
Ihre Rechte beim Dispo
Nutzen Sie den Dispo über längere Zeit erheblich, muss die Bank Ihnen nach § 504a BGB eine Beratung anbieten – nämlich dann, wenn Sie ihn in den letzten sechs Monaten durchschnittlich zu mehr als 75 % ausgeschöpft haben und das länger als drei Monate ununterbrochen. Sie soll Ihnen dabei günstigere Alternativen aufzeigen. Nutzen Sie dieses Angebot: Es ist kostenlos, und das Gespräch hilft, den Zinsvorteil einer Umschuldung einzuschätzen.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen eingeräumtem Dispo und geduldeter Überziehung: Bei der geduldeten Überziehung liegen die Zinsen oft nochmals höher. Rechnen Sie daher beide Posten getrennt.
Der Ablauf Schritt für Schritt
So gehen Sie praktisch vor:
- Kontoauszüge der letzten zwölf Monate ansehen: Wie hoch war der durchschnittliche Minusbetrag, wie hoch die Zinsen?
- Einen realistischen Tilgungsbetrag festlegen, den Sie auch bei Einkommensschwankungen tragen können.
- Angebote vergleichen: effektiver Jahreszins, Gesamtbetrag, Sondertilgung, Gebühren, Restschuldversicherung.
- Nach Auszahlung den Dispo zeitnah ausgleichen lassen und ihn möglichst nicht mehr nutzen.
- Einen Dauerauftrag für die Rate einrichten, damit nichts vergessen wird.
Alternativen zur Umschuldung
Nicht immer ist ein neuer Kredit der beste Weg. Manchmal genügt es, die Ausgaben zu senken oder einen Teil aus Rücklagen zu tilgen, bevor Zinsen anfallen. Auch ein Wechsel zu einer Bank mit günstigerem oder gar keinem Dispozins kann sinnvoll sein. Wenn mehrere Kredite parallel laufen, lohnt sich eine Umschuldung als Ganzes; achten Sie dann auf eine mögliche Vorfälligkeitsentschädigung der alten Kredite (siehe Ratgeber zu Widerruf und vorzeitiger Rückzahlung).
Vorsichtig bleiben
Ein Kredit verpflichtet Sie und muss zurückgezahlt werden. Die Zahlen auf dieser Seite sind Beispielrechnungen mit einem angenommenen festen Sollzins; sie sind kein Angebot. Maßgeblich sind allein das Angebot nach Prüfung Ihrer Unterlagen und der dort ausgewiesene effektive Jahreszins. Dieser Ratgeber ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Ist ein Ratenkredit immer günstiger als der Dispo?
Meist ja bei längerer Nutzung, aber nicht automatisch. Vergleichen Sie den effektiven Jahreszins beider Möglichkeiten.
Kann ich mehrere Kredite zusammenlegen?
Ja, das nennt man Umschuldung. Prüfen Sie, ob dadurch Gebühren oder Vorfälligkeitsentschädigungen entstehen.
Wie lange sollte die Laufzeit sein?
So kurz, wie es Ihr Budget erlaubt. Eine lange Laufzeit senkt die Rate, erhöht aber die Gesamtkosten.
Was passiert mit meinem Dispo nach der Ablösung?
Er bleibt als Reserve, sollte aber nicht erneut dauerhaft genutzt werden.
Wann muss die Bank mir bei einem hohen Dispo eine Beratung anbieten?
Nach § 504a BGB, wenn Sie den Dispo über längere Zeit erheblich nutzen: durchschnittlich über 75 % in sechs Monaten und länger als drei Monate ununterbrochen.
Ist die geduldete Überziehung teurer als der Dispo?
Oft ja. Die Zinsen für geduldete Überziehungen sind häufig höher; vergleichen Sie die Konditionen in Ihrem Konto- und Preisverzeichnis.
Allgemeine Informationen, kein Angebot und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Die Konditionen können sich ändern; maßgeblich ist stets das individuelle Vertragsangebot.